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Vergiss‘ mein nicht…

In dieser Rubrik stellen wir unseren Lesern verschiedene Bräuche aus Siebenbürgen vor. Durch die Auswanderung und Zerstreuung der Siebenbürgen Sachsen auf dem ganzen Erdball geraten diese Bräuche und somit auch einen Teil der Tradition leider in Vergessenheit…
Vielen Dank an Daniel Fuss aus Heilbronn für die Überlieferung der Bräuche aus ­Girelsau, Landkreis Hermannstadt.
Ostern
9318362319Besonders der Ostermontag ist hier zu erwähnen. Die Jungs aus der Jugendgruppe wurden in mehreren Kliquen aufgeteilt. Ausgerüstet mit Parfümflakons und Musikinstrumente zogen sie dann am Nachmittag durch das Dorf los und hielten an jedem Haus an, wo ein unverheiratetes Mädchen gewohnt hat. Mit einem Lied kündigten sie im Haushof ihre Ankunft an. Die junge Frau kam raus und hörte dem Gesang zu. Danach stellten die Jungs die traditionelle Frage: „Dürfen wir die Rose bespritzen?“ Sie antwortete natürlich mit „Ja“ – daraufhin gingen sie auf sie zu und sprühten Parfüm auf ihrem Kopf. Als „Dankeschön“ gab es dann ­Kaffee, Kuchen, gefärbte Eier und auch mal einen Schnaps. Umso später der Abend also, umso lustiger wurde die Truppe – die Mädchen, die zum Schluss besucht wurden, hatten immer mit einer feucht-fröhlichen Mannschaft zu tun. Nicht zu vergessen ist aber auch die Duftmischung der billigen Parfüms in den Haaren der Mädchen, die selbst nach einigen Tagen und mehreren Haarwäschen, immer noch nicht wegzubekommen war !
Pfingsten
Der „Oldknecht“ (der älteste von der Jugendgruppe) trommelte am Samstagvormittag die ganzen Jungs zusammen. Mit dem Pferdewagen ging es dann in den Wald, wo sie gemeinsam Birken fällten. Die 3-5 m hohen Bäume wurden auf dem Wagen aufgeladen und  im Dorf aufgeteilt. Jedes konfirmierte, unverheiratete ­Mädchen bekam vor ihrem Haus eine Birke aufgestellt. Abends, zum Pfingstball im Dorfsaal, mussten die Mädchen die Birke „einlösen“ – das gesammelte Geld wurde dann für die nächsten Feiern der Jugendgruppe verwendet.
Pfingstsonntag begann mit einem ­Gottesdienst, wo selbstverständlich alle anwesend sein mussten – keine leichte Aufgabe wenn man bedenkt, dass meist auf dem Pfingstball bis in den frühen Morgen­stunden getanzt und gefeiert wurde. Die Schulkinder trugen alle Gedichte vor, während die Jugendgruppe fleißig mit der Müdigkeit kämpfte. Nach dem Mittagessen machten sich wieder alle Dorfbewohner zum Dorfsaal, wo die Jugendgruppe ein Theaterstück aufführte – keine Zeit also zum „Erholen“. Abends ging es dann mit einem weiteren Ball weiter – und erstaunlicherweise hat  keiner gefehlt. Zwei Tage feiern nonstop – das ist eine der leichtesten Aufgaben, die man im jugendlichen Alter hatte… Sehr schön, sich daran zu erinnern…
Weihnachten
Am Heiligabend ging erst das ganze Dorf in die Kirche. Diese war weihnachtlich geschmückt, ein großer Christbaum mit echten Kerzen strahlte vor dem Altar. Eine aufregende Stille beherrschte den Raum…es roch nach Kerzen, nach Tanne und nach Ofenfeuer. Die Kinder haben Gedichte vorgetragen und es wurden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen.  Am Ende wurden die Kinder familienweise namentlich aufgerufen und sie mussten zum Baum vorlaufen, wo sie ein kleines Päckchen bekamen – Süßigkeiten, oft aus Deutschland zugeschickt, Wintersocken oder Handschuhe waren drin, manchmal auch eine Orange. Gerade für die Kleinen war das ein langersehnter und unver­gesslicher Moment.
Nach der Kirche gingen alle heim. Mittlerweile waren auch da schon Geschenke unter dem Weihnachtsbaum versteckt und alle durften diese noch vor dem Essen auspacken. Die Kinder waren immer ­außer sich. Auf diesen Moment hat man sich das ganze Jahr über gefreut, es war wirklich etwas ganz Besonderes. Selbst nach Jahrzehnten erinnert man sich deshalb noch mit Gänsehaut an diesen Abend…
Um 22 Uhr trafen sich dann alle Jungs aus der Jugendgruppe beim „Oldknecht“ daheim, um Singen zu üben.
Um 24 Uhr zogen sie dann los.  Als erste wurde die „Oldmagd“ (das älteste, unverheiratete Mädchen aus der Jugend­gruppe)  aufgesucht, danach erst die anderen Mädels. Drei Lieder wurden gesungen, als letztes immer „Stille Nacht“. Anschließend  kam der obligatorische Spruch (vom Freund oder „Verehrer“ des Mädchens, ansonsten wurde jemand vom „Oldknecht“ bestimmt) laut gerufen:
Kreastwurscht menj,
en viertel Diel gebruhnten Wenj
Siewen Iahlen Brotwurschten
En Zieken vol Hunklich
En gestutzt Hänkeln
En Ochtel Wenj
Os „Kathi“ soll long liawen
uch geseangt senj!

Als kleine „Belohnung“ gab es Geld, das für die anstehende Feier genutzt wurde. Jungs haben zusätzlich in die Kasse einbezahlt und besorgten die Getränke, Mädchen brachten Kuchen und Häppchen mit. Am 1 Weihnachtstag am Nachmittag fing die Feier an, durchgehend bis zum übernächsten Morgen… Gar nicht so einfach für all‘  die, die anschließend noch zur Arbeit mussten !


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